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Männer

Männer

„Neue Männer braucht das Land!“
das hat Ina Deter schon vor Jahren erkannt.
Doch was sind neue Männer? Wie sehen sie aus?
Sind sie dick oder dünn? Die Haare glatt oder kraus?
Sind sie still oder lebhaft? – Das ist die Frage!
Oder sind es Helden, wie der Siegfried aus der Sage?

Um „neue Männer“ zu definieren,
sollte man erst die alten studieren.
Was sind deren typische Eigenschaften,
welche bleiben, wenn man nachdenkt, negativ haften?
Was ist es, worüber eine Frau sich beklagt,
wenn mit besond´rer Betonung sie „Männer!“ sagt?

Ist es das Protzige, das Überhebliche?
Das Streben nach Macht, das meist vergebliche?
Oder ist es der Umgang mit dem anderen Geschlecht?
Das Männermotto: Ich hab´immer Recht!
Ein bißchen von allem ist´s, möchte man meinen.
Im Grunde der Wunsch, mehr zu scheinen,
als Mann im Leben tatsächlich ist,
weil Mann sich an falschen Maßstäben mißt.

Der Fritz ist schon oben auf der Karriereleiter,
und ich – noch ganz unten, als Außenseiter.
Der Günter hat Haare, tiefschwarz und ganz kraus,
und ich – sehe beinah´wie Kojak aus!
Der Tom hat noch letztens´ne Erbschaft gemacht.
Und ich – bin mit allen Verwandten verkracht!
Der Otto kann Frau´n um den Finger wickeln.
Und ich – kämpfe heute noch mit meinen Pickeln!

So denkt vielleicht heimlich der Mann von heute,
doch zugegeben im Beisein anderer Leute,
das traut er sich nicht, das hieße Schwäche zeigen,
und darum läßt er es lieber bleiben.
Produziert sich statt dessen als starker Held
ohne Probleme bezüglich Frauen und Geld.

Und wie ist es mit Gesprächen unter den Männern?
Die handeln vorwiegend von „Dauerbrennern“,
wie Bundesliga oder Politik.
Da diskutiert man mit leicht getrübten Blick
über Pro und Contra zur deutschen Wende
und welchen Torwart man am besten fände.
Resümiert: die da oben, die alten Recken,
die haben doch alle Dreck am Stecken.
Nimm einen Knüppel für diese angeblich Wichtigen,
und dann hau´drüber! Triffst immer den Richtigen!

Und so in der Art, auf diesem Niveau
lamentiert man und ist doch im Grunde froh,
dass man unter Männern so dann und wann
mal richtig Dampf ablassen kann!

Und dann geht es rund, werden Witze gerissen.
Man brüllt vor Lachen – ´S braucht ja keiner zu wissen,
dass man dreckige Witze einfach peinlich findet,
sich bei manchen regelrecht innerlich windet.
Und so lacht man halt mit, um nicht die Stimmung zu stören,
und außerdem will man ja dazugehören……..

Auch Angst ist ein Fremdwort für die meisten Männer.
Cool zu sein, das ist der Renner.
Wem wollen sie damit bloß imponieren?
Was haben sie eigentlich zu verlieren?
In der Achtung der Frauen würden sie steigen,
hätten sie Mut, ihre Schwächen zu zeigen.

Und das bezieht sich nicht nur auf´s Kochen und Braten
und ähnliche „typisch weiblichen“ Taten.
Auch nicht auf´s Putzen von Spülstein und Klo.
Kurz auf Arbeiten unter Männerniveau.
Da geben die Männer nämlich gerne zu:
„Das könnte ich niemals so gut wie du!“

Männer sind wirklich übel dran!
Denn bei ihnen ist scheinbar nur der ein Mann,
der absolut keine Schwachpunkte hat.
Und das gerade haben Frauen so satt!

Versucht doch nicht, uns was vorzumachen!
Das bringt uns bestenfalls zum Lachen.
Steht doch zu euch, werdet selbstbewusst,
und sagt lieber ehrlich: Ich hab´keine Lust!
Oder: Ich kann das nicht gut, aber ich will´s gern versuchen.
Das würden wir positiv verbuchen.
Und geht mal ein bißchen sensibler zu Werke.
Verwechselt nicht Mackertum mit innerer Stärke!
Denn – und der letzte Satz bringt´s auf den Nenner:
Im Grunde mögen wir euch, ihr Männer!

Aus „Dorfgeschichten“ 1997
Gundula vom Hagen – Jung

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