1

Früher war alles besser

Früher war alles besser

„Früher war alles besser als heute“,
das sagen nicht nur die alten Leute,
sondern auch die, die trotz manch grauer Haare
sich wähnen voll in der Blüte der Jahre.
Da sitzen sie nun beisammen und klagen
und träumen von den vergangenen Tagen.
Und jeder ist nur allzu gerne bereit,
zu schimpfen auf die heutige Zeit.

Furchtbar, diese Autoschlangen!
Versuch mal, um zehn in die Stadt zu gelangen.
Früher sind wir zu Fuß gelaufen,
heute fährt man zum Brötchen kaufen.
Und statt 15 Minuten dauert´s heute ´ne Stunde.
Dann fährst du noch fünf-, sechsmal in der Runde,
suchst einen Parkplatz und findest keinen.
Sag mal ehrlich! Ist das nicht zum Weinen?
Da bezahlt man für´n Auto soviel Geld,
damit man es in die Garage stellt.

Ich finde, das wird von Tag zu Tag schlimmer.
Aber das sag ich ja schon immer!
Auch ein Kind sein, heute, das wollt´ich nicht mehr!
Nur Computerspiele, statt Teddybär.
Und überhaupt, diese Spielzeugmassen,
manchmal kann man es gar nicht fassen!

Uns damals reichte, was man gerade fand:
ein paar glatte Steine, eine Kuhle mit Sand.
Da konnten wir spielen, stundenlang. –
Aber heute die Kinder? Die sind doch krank!
Jeder ein eigenes Fernsehgerät,
und dann vor der Glotze von früh bis spät!

Und die Jugend heute, das ist auch so ein Thema,
die passen doch alle ins gleiche Schema:
Laufen herum mit verdrossenen Mienen,
wollen nur möglichst viel Geld verdienen.
Sitzen herum und konsumieren,
hab´n keine Lust, sich zu engagieren.

Wie war das doch zu uns´rer Zeit? –
Wir waren zu jeder Schandtat bereit!
Haben gemeinsam viel unternommen,
sind nachts um zwölf in der Bever geschwommen.
Haben zusammen Fahrten gemacht,
gesoffen, gesungen und gelacht.

Und heute? – Nichts mehr! Alles vorbei.
Was feiern die noch? Außer: Tanz in den Mai.
Ja früher, da war hier noch was los!
Aber heute – tot Hose bloß!

So reden sie, die Akteure von gestern
dann dreh´n sie sich um, und – schon läuft der Western,
der Krimi, das Fußballspiel, was auch immer.
Volle Aktion in jedem Zimmer……
Und die Kinder schau´n zu und verstummen, ganz schnell.
Das nennt man: Lernen am Modell.

Aus „Dorfgeschichten“ 1997
Gundula vom Hagen – Jung

Kommentar ( 1)

  1. Antworten
    Rosemarie Wendler says:

    Also,
    Früher war alles besser! Da fällt mir mein Onkel Gottfried zu ein. Wenn Mitmenschen verklärt von früher und der guten, alten Zeit erzählten, so meinte er dann: „Ja, ja, früher waren selbst die Zahnschmerzen schön!“ Und ob der „schlimmen“ Jugend, da war es mein Physiklehrer der gerne Sokrates zitierte. Dem armen Sokrates wurde ganz Angst und Bange um die Zukunft der Welt, wenn er auf die Jugend schaute. Welch ein verschwenderisches Leben die führten, die ältere Generation nicht ehrten, sie sogar verhöhnten und arbeitsscheu sind sie obendrein auch noch. Er sah den Weltuntergang schon nahen. Sokrates ist 399 v. Chr. gestorben und die Welt ist immer noch nicht untergegangen … Und ich sage zu all dem: „Schaut in den Spiegel! Wie war das noch gleich in der Schulzeit …! Wie war das als Jugendlicher, man wusste viel und wer alles keine Ahnung hatte …!“
    Es grüßt Rosemarie

Einen Kommentar posten