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Ein Loblied auf die „Käuze“

Ein Loblied auf die „Käuze“

Ein Dorf ohne ein paar skurrile Gestalten
ist wie ein altes Gesicht – ganz ohne Falten.
Zwar wirkt es auf den ersten Blick
schön glatt, ebenmäßig und ohne Knick,
doch beim zweiten Blick spätestens sucht man vergebens
nach sichtbar gewordenen Spuren des Lebens.

Ein Dorf nun, gäb’s keine Unterschiede,
nur gleiches Verhalten, eine Meinung – nur Friede,
das wär‘ nicht lebendig, sondern starr!
Bliebe unveränderlich, immer so wie’s mal war.

Entgegen wirken diesem Trend
die verschrobenen Käuze, wie man sie so nennt.
In jedem Dorf gibt es sie – Gott sei Dank!
Sie gehören dazu, wie vor die Haustür die Bank

Da ist einer, der umgibt sich mit Tieren aller Art,
im Umgang mit ihnen ist er liebevoll und zart.
Zieht von Menschen sich allerdings völlig zurück,
sucht in der Natur sein Lebensglück.

Ein anderer meint, er müßt‘ jeden bekehren,
vergeblich versucht man sich Worten zu wehren.
Für ihn gilt nur der als echter Christ,
der sonntags in der Kirche zu finden ist.

Ein dritter kennt nur seine Bücherwelt.
Er liest alles. – Auch das, was ihm nicht gefällt.
Er weiß eine Menge, viel Theorie.
Doch zur praktischen Anwendung kommt er nie.

Wieder ein and’rer pflegt hingebungsvoll
verwilderte Gräber, auch wenn er’s nicht soll.
Da wird jedes Unkraut weggerupft,
der Grabstein gebürstet und trocken getupft.

Ein anderer Kauz sammelt Fischkonserven,
Pillendöschen, bunte Scherben,
Margarinebehälter aus Plastik sogar,
nichts schmeißt er weg, nicht ein einziges Haar.

Und einer, der richtet sich nur nach dem Mond,
seinen ganzen Alltag, was er ist, wie er wohnt.
Kennt den optimalen Zeitpunkt für jede Saat. –
In seinem Garten jedoch, wächst weder Kohl noch Salat.

So könnte man sicher noch viele Geschichten
über Käuze erzählen oder dichten.
Tatsache ist: sie zeigen Profil
durch ungewöhnlichen Lebensstil.
Egal, was auch immer man von ihnen hält:
sie bringen Vielfalt in die dörfliche Welt.
Und mag mancher sich auch an ihrem Dasein reiben –
sie mögen noch lang uns erhalten bleiben!

Aus „Dorfgeschichten“ 1997
Gundula vom Hagen – Jung

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