Benutzeranmeldung

Benutzernamen und Passwort eingeben, um sich an der Website anzumelden
Anmelden

Kennwort vergessen?

Gerüchte

Beim Bauern Schulte war'n vor ein paar Tagen
zwei junge Mädchen - anscheinend aus Hagen.
Die blieben recht lange dort - über zwei Stunden.
Das hat man im Dorf doch recht komisch gefunden.
Schließlich lebt der Bauer alleine seit Jahren,
und deshalb hätte man gerne erfahren,
warum und wieso und aus welchem Grunde
er Damenbesuch hatte, zu später Stunde.
Man spekuliert so hin und her
und wüsste schrecklich gerne mehr.

Vielleicht warn's Verwandte! - Das kann nicht sein!
Der Schulte hat keine, der war immer allein.
Ob er sich etwa auf seine alten Tage
noch'n Mädel nimmt? - Das ist die Frage.-
Ein Mädel ist gut! - Es waren zwei! -
Ja, und?  Darin ist man doch heute ganz frei!
Na hör mal! Wie soll man denn das verstehn? -
Ich habe schon Pferde kotzen gesehn.....

Vielleicht, ich will es ja nicht laut sagen:
war's ein Fehltritt aus vergangenen Tagen?! -
Ja, jetzt wo du's sagst! Ich erinner' mich:
So vor zwanzig Jahren, da hat er sich
ziemlich häufig erst morgens nach Hause geschlichen
und ist allen Fragen ausgewichen.
Vielleicht, man will es ja nicht hoffen,
ist aus dieser Zeit noch 'ne Rechnung offen!

Hat eigentlich einer die beiden gesehn? -
Nicht so sehr deutlich! Schließlich war's schon nach zehn!
Ich weiß nur, sie hatten lange Locken.
Die wollten nur eines: den Alten abzocken!

Guten Morgen zusammen! - Guten Morgen, Hans!
Na, ihr sprecht sicher von Schultens Franz?
Man hört ja darüber so allerlei:
Ein Kind soll er haben! Vielleicht sogar zwei!
Kaum zu glauben, was hier auf dem Dorf so passiert,
und da finden die Städter uns kleinkariert!

Die Gerüchteküche kocht, so zwei, drei Wochen.
Natürlich wird der Schulte nicht drauf angesprochen.
Vermutlich ahnte der Arme nicht mal
die Gerüchte über ihn, die Art und die Zahl.

Durch Zufall kam irgendwann alles heraus.
Grund war die Neugier des Postboten Kraus.
Er hatte, wie üblich, ohne sich zu beeilen,
alle Karten gelesen vor dem Verteilen.
Dabei eine für Franz Schulte mit Hagener Motiv,
ganz eng beschrieben - fast wie ein Brief.

Darin stand, das Wesentliche kurzgefasst:
Wir kommen am Zehnten, sofern's Ihnen paßt.
Das Praktikum dauert 14 Tage,
und natürlich sind wir durchaus in der Lage,
jeden Morgen um sechs Uhr anzufangen,
da richten wir uns ganz nach Ihren Belangen.

Im Übrigen haben wir, auf Ihr Bitten,
uns beide die Haare kurzgeschnitten.
Bei der Arbeit ist das besser, da haben Sie recht.
Außerdem steht es uns gar nicht schlecht.
Betreut werden wir von Herrn Dr. Lutz
er leitet den Studiengang "Umweltschutz".
Vorerst vielen Dank! Und mit freundlichen Gruß.
Bis bald! Hans Georg und Julius.

aus "Dorfgeschichten" 1997
von Gundula Jung